„Die Zeiten als man ein Inserat online geschaltet und auf Bewerbungen gewartet hat, sind vorbei.“

Junge Talente sind auf dem IT-Markt extrem gefragt. Das merkt auch die Swisscom. Sie hat eine neue Idee entwickelt, um sich als Arbeitgeberin bei ICT-Absolventen bekannter zu machen. So sind die „Campus Ambassadoren“ ins Leben gerufen worden. Im Gespräch mit Tulu Hamidi, Verantwortliche im Uni- & Hochschulmarketing Swisscom, berichtet sie über das Pilotprojekt und erklärt, warum man als Unternehmen im Rekrutierungs-Prozess umdenken muss.

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Tulu Hamidi, University Marketing Manager, Swisscom

Frau Hamidi, im November hat die Swisscom die Campus Ambassadoren eingeführt. Wie sind Sie darauf gekommen, solche Botschafter einzusetzen?

Auslöser war eigentlich eine lustige Begegnung. Ich war mit einer Praktikantin an einer Messe, als ein junger Herr zu ihr kam und sie fragte, welche Sprachen man bei Swisscom denn beherrschen müsse. „Deutsch ist in Bern und Zürich ein Muss, Englisch und Französisch sind von Vorteil.“ Der Herr schaute sie verwirrt an, er meine eigentlich, welche Programmiersprachen. Dieses Erlebnis hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, die gleiche Sprache zu sprechen wie die IT-Absolventen. So entwickelten wir die Idee, IT-Studenten als Botschafter für uns als ICT-Unternehmen zu gewinnen.

Was ist die Idee dahinter?

Wir haben zwei Studenten der Fachhochschule Rapperswil und der Berner Fachhochschule mit einem 20-Prozent-Pensum als Campus Ambassadoren angestellt. Die Idee ist, dass die Studierenden selbst und nicht HR-Fachpersonen Swisscom als Arbeitgeberin bei IT-Studenten bekannt machen. Sie erhalten von uns eine intensive Einführung, damit sie Swisscom kennenlernen und anschliessend mit aktuellen Themen aus dem Unternehmen, die sie selbst auswählen, zu ihren Mitstudenten gehen. Sie sollen kein Recruiting betreiben, sondern ihre Mitstudenten mittels Events, Gastvorträgen, Seminaren etc. über Swisscom informieren. Wir kennen es selbst: Egal wie viele Rankings und Kritiken es gibt, den grössten Einfluss haben Meinungen aus dem eigenen Umfeld – hier knüpfen wir an.

Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Unser Ziel ist es ganz klar Swisscom als attraktive ICT-Arbeitgeberin stärker zu positionieren. Es geht darum, den IT-Absolventen zu zeigen, dass wir die vernetzte Zukunft der Schweiz mitgestalten und viele spannende Herausforderungen in einem dynamischen Umfeld anbieten.

Was haben Sie für Erfahrungen gesammelt?

Sehr gute. Wir haben für Junior-Positionen mehr Bewerbungen erhalten. Einige von diesen Kandidaten sind auch bereits eingestiegen. Das macht das Projekt zu einer Erfolgsgeschichte und deshalb wird es auch weitergeführt.

Was muss ein Unternehmen beachten, wenn es Campus Ambassadors einführen möchte?

Eine gute Einführung ist das A und O. Die Studenten müssen das Unternehmen vor Ort glaubwürdig und kompetent repräsentieren können. Das bedeutet am Anfang natürlich einen grossen Zeitaufwand. Zudem ist es wichtig, Rahmenbedingungen zu definieren, ihnen gleichzeitig aber viele Freiheiten zu lassen.

Sie setzten bei den Ambassadors explizit auf Leute aus der ICT-Branche. Sind die anderen Bereiche von Swisscom zu wenig spannend, um Absolventinnen und Absolventen anzuwerben?

Nein, die sind genauso spannend, aber andere Berufsgruppen, wie z.B. die Betriebswirtschafter, Psychologen oder auch Juristen kennen das Stellenangebot von Swisscom. Dass wir uns zu einem echten ICT-Unternehmen entwickelt haben, diese Verknüpfung machen die Informatiker noch zu wenig. Dazu kommt, dass sie sehr umworben sind, gerade die ICT-Branche ist ja vom Fachkräftemangel betroffen.

Sind die Ambassadors die Career-Messe von morgen?

Die Career-Messen haben nach wie vor einen grossen Vorteil: Wir können innert kürzester Zeit mit vielen verschiedenen potenziellen Kandidaten in Kontakt treten und einen ersten Eindruck von ihnen gewinnen.

Gibt es Ideen, die Ambassadors in den generellen Rekrutierungs-Prozess in anderen Berufsfeldern zu integrieren?

Unser Ansatz ist es, unsere eigenen Mitarbeitenden als Botschafter zu gewinnen. Sie kennen Swisscom am besten und können ihr Umfeld auf interessante Stellen hinweisen. Zudem sprechen sie die gleiche Sprache wie die potentiellen Kandidaten. Gerade Entwickler möchten sich zum Beispiel auf Augenhöhe mit anderen Fachexperten austauschen. Aktuell arbeiten wir deshalb auch mit einem Mitarbeiterempfehlungstool.

Sie setzen also immer mehr auf die eigenen Mitarbeitenden als Vermittler. Ist es eine bewusste Strategie der Swisscom, die Mitarbeitenden für HR arbeiten zu lassen?

HR hat sich extrem verändert, auf jeder Ebene. Unternehmen können nicht mehr auf die klassischen HR-Mittel setzen. Die Zeiten als man ein Inserat online geschaltet und auf Bewerbungen gewartet hat, sind vorbei. Dem müssen wir Rechnung tragen, indem wir gezielt auf Talentsuche gehen, Mitarbeitende einladen, in ihren eigenen Netzwerken als Botschafter für Swisscom aktiv zu werden. Heute sind die Unternehmen gefordert, gute Mitarbeitende zu finden und nicht mehr umgekehrt. Das fordert von vielen Seiten aber noch ein Umdenken. Ein starkes Employer Branding wird daher wichtiger.

Zur Person:

Tulu Hamidi absolvierte an der Universität Fribourg den Master of Arts in European Business. Seit 2013 arbeitet sie erfolgreich bei Swisscom als University Marketing Manager und hat dabei das Pilotprojekt der Campus Ambassadoren mitentwickelt. Zuvor war sie in der Kommunikation von SwissDRG tätig.

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