«Wer Mitarbeitenden ein Modell F-Studium ermöglicht, betreibt eine nachhaltige Personalpolitik!»

001Frau Risi*, was genau ist das Label Modell F?
Das Modell F (F= flexibel studieren) ist ein Label für Bildungsinstitutionen, die beruflich höherqualifizierende Weiterbildungen anbieten. Wichtig ist dabei, dass dies Bildungs- und Studiengänge mit eidgenössisch anerkannten Abschlüssen sind – also höhere Fachschulen und Fachhochschulen. Wenn Bildungsgänge das Label Modell F tragen, werden den Studierenden die Kompetenzen angemessen angerechnet, die sie vor Studienbeginn in der beruflichen und ausserberuflichen Praxis erworben haben. Wenn also zum Beispiel ein Offizier, der nebenbei noch Fussballtrainer ist, einen Studiengang zu «Good Governance» macht, so kann er sich im Studium seine Führungs- und Planungskompetenzen aus dem Beruf und seinen Erfahrungen im Trainieren einer Fussballmannschaft also z. B. Teambildung, Teamdynamik, Erfolgsfaktoren, Konfliktmanagement ect. anrechnen lassen. Dazu kommt die zeitliche Flexibilität, die das Studium mit Familie, Führungsjobs, Sportkarriere usw. vereinbar machen: Die Studierenden können selbst bestimmen, in welchem Zeitraum sie ihr Studium absolvieren. Wollen sie beispielsweise eine Pause einlegen, so können sie dies jederzeit tun. Ganz ohne Gründe für ihre Pause angeben zu müssen.

Wie können denn Arbeitgeber von Modell F – Studierenden „profitieren“?
Die Umsetzung der Masseneinwanderungs Initiative bis Anfang 2017 stellt viele Unternehmen vor grosse Herausforderung. Mit Modell F wird es schon heute möglich, die eigenen und geeigneten Mitarbeitenden, die möglicherweise vor dem Abbau stehen, schneller und günstiger in einen neue Richtung zu qualifizieren.
Die Unternehmen profitieren am meisten von Modell F Studierenden, weil diese durch die Verkürzung der Studienzeit eben viel mehr im Unternehmen arbeiten. Statt während 3 Jahre 1 ½ Tag pro Woche Schule zu haben, erwerben Modell F Leute nur die fehlenden Anerkennungen, sodass sie während einem ganzen Jahr lediglich 1 ½ Tag die Schule besuchen müssen. Die restliche Zeit arbeiten sie um Unternehmen. Und sie haben trotzdem die verlangten Abschlüsse. Die Modell F -Studierenden sind in der Regel schneller fertig mit ihrem Studium und können bald in neuen Positionen eingesetzt werden. Das Schulgeld wird ebenfalls reduziert, und auch wenn viel Arbeit anfällt oder neue Projekte kommen, sind diese Leute verfügbar. Sie können das Studium unterbrechen und später wieder fortsetzten und abschliessen. Unternehmen täten gut daran, ihren Mitarbeitenden vermehrt ein flexibles Studieren zu ermöglichen. Dadurch sinkt einerseits die Einstiegshürde bei den potenziellen Studierenden. Durch Verkürzung der Studiendauer wird die Weiterbildung kürzer und billiger, so profitieren die Unternehmen schneller von zusätzlichen und neuen Fachkräften. Andererseits stehen die Studierenden einem Arbeitgeber, der ihnen berufsbegleitend ein flexibles Studium ermöglicht, loyaler gegenüber. Sie bleiben ihm dadurch als Mitarbeitende länger erhalten. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden ein Studium nach dem Modell F ermöglichen betreiben also eine nachhaltige Personalpolitik und kommen schneller zu mehr Fachkräften.

Warum wurde Modell F entwickelt?
Wir haben festgestellt, dass viel mehr Männer nach der Lehre eine Weiterbildung machen, obwohl viele Frauen die Lehre hervorragend abschliessen. Dies liegt aber nicht an den Frauen, sondern daran, dass die Weiterbildung so starr angeboten wird und dem, was die Studierenden ausserhalb tun und lernen, nicht gerecht werden. Wir haben das Label Modell F entwickelt, damit jetzt auch alle Leute, die viel Berufs- und Lebenserfahrungen haben, sich beruflich höher und auch anders qualifizieren können. Sie müssen nicht mehr all die Fächer belegen, die sie auf Grund ihrer Erfahrungen eigentlich sogar unterrichten könnten. Die Fächer/Module, die jemand nicht besuchen muss, muss sie/er auch nicht bezahlen. Aber die Studierenden besuchen jene Fächer, die wirklich neu sind. Diese bezahlen sie auch, und sie machen die üblichen Prüfungen. Für diese erhalten sie auch die üblichen Diplome. Auf den Diplomen sieht man dann auch nicht, ob jemand nach Modell F studiert hat. Auf diese Weise wird die Weiterbildung für viele Leute attraktiv, die heute keine Weiterbildung machen: Für Mütter und Väter, für KMU-InhaberInnen und Führungsleute und für alle die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen weil sie vielleicht arbeitslos sind.
Wer nach Modell F studieren kann, ist auch viel schneller höher qualifiziert. Das Studium kostet weniger und vor Allem: Die Fachleute sind viel schneller auf dem Arbeitsmarkt und haben die Fähigkeiten, die im Unternehmen nachgefragt sind!
Unser Bildungssystem ist zwar sehr gut – aber es wird leider vielen neuen Lebens- und Arbeitsmodellen nicht gerecht. Die Menschen sind heute allgemein viel flexibler und sollten sich nicht in starren und veralteten Strukturen bewegen müssen – auch wenn sie älter sind und sich noch beruflich verändern können. Gerade dann muss ihnen ihre Erfahrung und ihr Können angerechnet werden. Fachkräfte müssen heutzutage flexibel sein und sich ein ganzes Leben lang weiterqualifizieren und –entwickeln. Dazu ist aber Bedingung, dass auch die Bildungsinstitutionen flexibel werden – also höhere Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten und die ETH.

Stossen Sie auch auf Widerstand bei der Zertifizierung, bzw. entstehen durch diese auch neue Konfliktherde?
Das Modell F wird bei den Bildungsinstitutionen zwar immer bekannter, es verlangt jedoch von den Schulen und den zuständigen Lehrpersonen auch eine neue Lernkultur: Plötzlich sitzen auch Leute im Unterricht, die älter sind und viel Berufserfahrung haben. Dozenten können vom Wissen dieser Studierenden profitieren und die anderen Studierenden daran teilhaben lassen: Der Lehrer wird vermehrt zum Moderator. Dies ist aber ein Umdenken, das wir nicht nur von Modell F-Studiengängen erwarten, sondern vom gesamten Bildungssystem. Denn wir alle lernen immer und überall, die Bildungsinstitutionen sind nicht mehr die einzigen Orte des Wissens. Aber nach wie vor geben sie das Level vor und überprüfen das Wissen, auch wenn es anderswo erworben wurde. Dieser gesellschaftlichen Entwicklung tragen alle Modell F Schule Rechnung und sie stellen weiterhin die Qualität der Abschlüsse sicher.

Hand aufs Herz: was bringt ein flexibles Studium ohne flexible Jobmöglichkeiten?
In Bezug auf die Flexibilität haben die viele Unternehmen den Bildungsinstitutionen einiges voraus. Viele Unternehmen offerieren den Mitarbeitenden lieber mal niedrige, mal höhere Pensen, statt dass sie sie verlieren. Besonders wer Familienpflichten wahrnehmen möchte, kann in dieser Lebensphase häufig das Pensum reduzieren und später wieder erhöhen. Neuerdings ist das auch für Väter und Mütter in Führungspositionen möglich.

*Rebekka Risi ist Geschäftsführerin des Vereins Modell F

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