«Unser jüngstes Mitglied ist 28 Jahre alt.»

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Vor ziemlich genau einem Jahr gründete der damals 50jährige Daniel G. Neugart den Schweizerischen Arbeitnehmer- und Arbeitslosenverband Save 50Plus Schweiz – Zeit für einen ersten Rückblick und für Fragen zur Zukunft des Verbandes. Im Interview mit Employerbranding-blog.ch erzählt Gründer und Präsident Neugart, weshalb er den Verband gegründet hat, welche Ziele er mit der Verbandsarbeit verfolgt und wie Arbeitgeber von der Zusammenarbeit mit dem Verband profitieren.

Employerbranding-blog.ch: Herr Neugart, Sie haben den Verband SAVE 50Plus Schweiz vor rund einem Jahr gegründet. Weshalb?
Am Anfang stand eine ganz persönliche Motivation: Mit 40 wurde ich unverhofft arbeitslos. Während der Stellensuche hat man mich oft abgewiesen mit den Begründungen «überqualifiziert» und «zu alt» zu sein. Damals habe ich mir gesagt, dass falls sich das Problem in den nächsten zehn Jahren nicht lösen wird, ich selbst was dagegen tun muss. Und die Situation hat sich im letzten Jahrzehnt sogar verschärft. Einerseits gibt es aufgrund des demografischen Wandels immer mehr ältere Fachkräfte und andererseits verschliessen sich die Unternehmen gerade diesem Fachkräftepotenzial. Dies ist einerseits ein untragbarer Zustand für die älteren Arbeitnehmenden. Andererseits ist diese ablehnende Haltung der Unternehmen – die ihrerseits nicht müde werden, den Fachkräftemangel zu beklagen und zu bejammern – ein Genickbruch für unsere Volkswirtschaft. Deshalb habe ich also letztes Jahr an meinem 50. Geburtstag beschlossen, selbst aktiv zu werden und den Verband zu gründen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Verband?
Unsere obersten Ziele sind der Schutz und die Förderung unserer Mitglieder. Die arbeitssuchenden Mitglieder unterstützen wir mit Beratungen und machen sie mit unserem bewährten 50Plus Parcours fit für die Stellenfindung. Zudem schulen wir sie in der Nutzung des online Bewerbungssystems «Ostendis». Mit dem Tool können sich unsere Mitglieder, die bei weitem nicht alle onlineaffin sind, schnell und einfach Bewerbungsdossiers zusammenstellen. Als Verband können wir zudem direkt auf Arbeitgeber zugehen und sie für das Thema sensibilisieren. Wir stellen Fragen wie: „Was können Sie tun um noch attraktiver zu sein?“ und zeigen ihnen die Vorteile einer altersdurchmischten Belegschaft für ihr Unternehmen auf und beraten sie im Umgang mit 50Plus-Personal. Selbstverständlich streben wir auch eine Zusammenarbeit mit Ämtern und anderen Verbänden an. Schliesslich wollen wir die Betroffenen vom Anfang bis zum Schluss begleiten: vom „Abholen“ über die Beratung bis zur Begleitung nach dem Stellenantritt. Aktuell sind wir unter anderem auch im Gespräch mit den Ämtern für Wirtschaft und Arbeit in verschiedenen Kantonen, dem Schweizerischen Gewerbeverband, sowie dem Schweizerischen Arbeitgeberverband betreffend Kooperationen.

Welche sind die grössten Herausforderungen für das 50Plus-Personal und wie kann man diesen entgegenwirken?
Weil das 50Plus-Personal bei der Stellenfindung besondere Schwierigkeiten bekundet, sieht es sich einem erhöhten Existenzrisiko ausgesetzt als jüngere Arbeitsuchende. Ältere Arbeitnehmende können diesem Risiko durch Jobsplitting entgegenwirken. Wenn sie mehrere Jobs in kleinen Pensa ausüben, haben sie kein Klumpenrisiko – sollten sie eine der Teilzeitstellen verlieren, so bleiben ihnen die übrigen noch immer erhalten. Jobsplitting ist ein hocheffizientes Zukunftsmodell! Eine weitere wesentliche Herausforderung ist die Kluft zwischen jüngeren Chefs und älteren Arbeitnehmenden. Die Führung älterer Mitarbeitenden verlangt von jüngeren Vorgesetzten Sensibilität und 50Plus-Kompetenz. Die Firmen, die sich von uns zertifizieren lassen, haben eine für 50Plus-Personal verantwortliche HR-Fachkraft definiert, mit der wir jeweils in engem Kontakt stehen und die wir auch coachen, beraten und informieren. So kann allfälligen Generationenkonflikten und anderen Problemstellungen im Zusammenhang mit 50Plus-Personal bereits entgegengewirkt werden, bevor sie überhaupt entstehen.

Wie viele Mitglieder sind Ihrem Verband seit der Gründung vor einem Jahr beigetreten?
Unsere Kontaktdatenbank umfasst rund 3000 Adressen, von denen über 150 feste Mitglieder sind. Davon wiederum sind die meisten Privatpersonen, die arbeitssuchend sind. Aber auch solche, die eine Stelle haben und sich für die Zukunft absichern möchten gehören zu unseren Mitgliedern. Unser jüngstes Mitglied ist 28 Jahre alt und Verbandsmitglied, weil er befürchtet, dass das Problem der Altersarbeitslosigkeit auch auf ihn zukommen wird und er das Problem gelöst sehen möchte, bevor es für ihn aktuell wird. Aber auch 20 Unternehmen, also Arbeitgeber, gehören mittlerweile zu unseren zertifizierten Mitgliedern.

Welche Vorteile haben zertifizierte Unternehmen?
Die Zertifizierung ist eine Ergänzung zum Firmenleitbild. In erster Linie bekennen sie sich aktiv zur Herausforderung im 50Plus-Arbeitsmarkt und betreiben damit ein erstklassiges Image-Marketing! Sie erhalten hierzu unser Image-Paket und Ihre Firmenlogos werden auf unserer Webseite implementiert und verlinkt. Es können kostenlos 50Plus-Stellen aufgeschaltet werden und es gibt noch viele weitere nutzenbringende Vorteile. Mit unserem Verband als Kooperationspartner haben Unternehmungen einen lösungsorientierten, kompetenten Partner im Bereich 50Plus-Personal. In Unternehmen, in denen sich das Personal aus Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und Altersklassen zusammensetzt, können alle voneinander profitieren. Die Jüngeren profitieren von der Erfahrung der Älteren, während die älteren Mitarbeitenden von den Jüngeren neue Ansätze erlernen und durch die Zusammenarbeit mit jüngeren Generationen frische Sichtweisen einnehmen können. Und das bringt schliesslich das ganze Unternehmen weiter. Unsere Unternehmens-Mitglieder sind Arbeitgeber, die soziale Verantwortung übernehmen. Und Unternehmen, die soziale Verantwortung übernehmen, werden von den Arbeitnehmenden als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen – das heisst, sie haben schliesslich bei der Rekrutierung von Talenten weniger Probleme als „unattraktivere“ Unternehmen. Die Frage „Wie alt ist mein Kunde?“ fordert eine weitere matchentscheidende Antwort auf die Zukunftspläne einer Unternehmung. Mit einer Zertifizierung positionieren sich unsere Firmenmitglieder in einem wachsenden 50Plus-Zukunftsmarkt!

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