«Diversität in der Führungsetage steigert die Arbeitgeberattraktivität.»

Ihren Kundinnen und Kunden präsentiert die VR-Vermittlungsagentur GetDiversity bei offenen Vakanzen einen Talentepool mit einem Geschlechterverhältnis von 50:50. Die Vermittlungsagentur setzt ganz auf den Mehrwert der Diversität. Denn die Gründerinnen sind davon überzeugt, dass in gemischt zusammengesetzten Verwaltungsräten unterschiedliche Sichtweisen, Werte und Erfahrungshorizonte einfliessen und schliesslich als Treibkräfte für Innovation und Fortschritt wirken können. Wehalb sie nun einen Schritt weiter gehen und einen «Women on Board-Index» fordern und was Diversität im Verwaltungs- oder Stiftungsrat mit Arbeitgeberattraktivität zu tun hat, erklärt Dr. Michèle Etienne, eine der beiden Gründerinnen, im Interview mit Employerbranding-blog.ch.

Employerbranding-blog.ch: Mit Postchefin Susanne Ruoff, Economiesuisse-Direktorin Rühl, Swatch VR-Präsidentin Nayla Hayek oder SBB-Verwaltungsrätin Monika Ribar seien nur einige Kaderfrauen genannt, die aktuell von sich hören lassen. An gut ausgebildeten, ambitionierten Frauen fehlt es in der Schweiz offenbar nicht. Warum benötigen Unternehmen bei der Suche nach Frauen für Ihre Aufsichtsratsgremien die Unterstützung von «GetDiversity»?
Dr. Michèle Etienne: Ein häufiges Problem der gut ausgebildeten Frauen ist deren fehlende Visibilität. Entscheidungsträgern fallen bei jeder Vakanz auf Anhieb eine Handvoll männlicher Kandidaten ein, fähige Frauen sind aber nur wenige bekannt. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich Frauen tendendziell weniger aktiv vermarkten als Männer.

Dr. Michèle Etienne, Mitgründerin von GetDiversity.
Dr. Michèle Etienne, Mitgründerin von GetDiversity.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse schlägt in seinem jüngst überarbeiteten Verhaltenscodex eine freiwillige Mini-Frauenquote vor: mindestens eine Frau pro Verwaltungsrat ist der Vorschlag. Ist das ein Schritt vorwärts?
Grundsätzlich sind wir von GetDiversity gegen eine gesetzlich verankerte Frauenquote – wir plädieren für eine Quote im Prozess. Die Tatsache, dass nun auch Economiesuisse die Thematik der Frauen in Führungsgremien aktiv aufgreift, ist aber sicherlich positiv.

Sheryl Sandberg vertritt in ihrem Buch «Lean In» die These, dass Unternehmen «frauenfreundlicher» werden, je mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Welchen Mehrwert sehen Sie für Arbeitnehmerinnen, wenn eine Firma von Frauen mitgeführt wird?
Eine Untersuchung von GetDiversity aller börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz hat gezeigt, dass ein Verwaltungsrat, in welchem bereits eine Frau Einsitz hat, eher eine zweite rekrutieren wird, als dass ein rein männliches Gremium überhaupt eine Frau einbezieht. Insofern kann die These von Sandberg also bestätigt werden. Geschlechterdiversität in der Führungsetage führt dazu, dass das Unternehmen für potentielle Arbeitnehmerinnen interessanter wird, da diese ihre Aufstiegschancen in solchen Unternehmen höher einschätzen als in anderen. Somit steigert die Diversität in der Führungsetage auch die Arbeitgeberattraktivität.

Sind aus Ihrer Erfahrung Frauen möglicherweise eher bereit ein VR-Mandat anzunehmen, wenn bereits Frauen Teil des Gremiums sind?
Sicherlich sind teilweise Bedenken vorhanden, in einem männerdominierten Gremium unterzugehen. Ich glaube aber nicht daran, dass dies ein häufiger Grund für die Nicht-Besetzung eines Mandats ist. Ich kenne auch Frauen, welche die besondere Rolle der einzigen Frauen im Verwaltungsrat schätzen.

In einem Interview mit Ladies Drive fordern sie einen WoB-Index (Women on Board) für die Schweiz. Mit einem solchen Ranking wollen Sie Druck auf die Unternehmen ausüben. Wie entscheidend ist «Diversity Management» für das Image eines Unternehmens aber tatsächlich?
Aufgrund der öffentlichen Diskussion ist der Druck zur Diversität vor allem in börsenkotierten Unternehmen angestiegen und immer mehr Unternehmen sehen eine gute Durchmischung – neben weiteren Vorteilen – auch als Möglichkeit, sich zu profilieren. Eine Studie von GetDiversity und der FH Bern im Frühjahr 2014 hat aber gezeigt, dass KMU, welche mit Abstand den grössten Teil der Schweizer Unternehmen ausmachen, sich noch sehr wenig durch die Diskussion rund um den Frauenanteil im Verwaltungsrat beeinflussen lassen. In diesen Unternehmen scheint das Image also bis anhin weniger durch die Diversität beeinflusst zu werden. Bei diesen Unternehmen scheint auch das Bewusstsein für Geschlechter-Diversität deutlich geringer zu sein.

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Um diesen zu lösen soll unter anderem das Potenzial der vielen gut ausgebildeten Frauen besser genutzt werden. Was müssen Firmen im Kampf um qualifizierte Frauen bieten? Und: hat eine weiblich besetzte Führungsetage einen Einfluss bei der Arbeitgeberwahl?
Wie bereits erwähnt, wirkt ein Unternehmen mit Frauen im Führungsgremien attraktiv auf viele potentielle Arbeitnehmerinnen. Abgesehen davon glaube ich, dass Frauen ähnliche Ansprüche an ihren Arbeitgeber haben wie Männer. Also beispielsweise faire Entlöhnung, gute Sozialleistungen und realistische Aufstiegsmöglichkeiten. Für Frauen mit Familie können aber sicherlich auch flexible Arbeitszeitmodelle ein zusätzliches Entscheidungskriterium sein.

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